Arnold Scherrer zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte von Bílinská Kyselka. Sein Vermächtnis ist noch heute in den Sammlungen der Abfüllanlage sichtbar, und seine Initialen zieren die historischen Abfüllanlagen und die Stände der visuellen Qualitätskontrolle. Werfen wir einen genaueren Blick auf das Leben und Werk dieses Giganten der Heilquellen.
Arnold Scherrer (1877–1949): Leben und Werk eines Pioniers der Mineralquellen
Am 20. Mai 1949 verlor Schaffhausen und Neunkirch Arnold Scherrer, einen Mineralquelleningenieur und Mitbürger, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hohes Ansehen genoss. Mit seinem umfassenden Wissen und seiner langjährigen Erfahrung war er wohl der erste Experte auf dem Gebiet der Mineralquellenforschung und -sammlung.
Jugend und Bildung

Ein mysteriöses, geplantes unterirdisches Bauwerk sollte die Abfüllung mit der Gewinnung von Rohstoffen aus größeren Tiefen verbinden, indem in den unteren Stockwerken eine Bohranlage installiert wurde. Das Gebäude war zudem gegen Luftangriffe gesichert.
Er wurde 1877 in Dresden geboren. Nachdem seine Eltern 1882 in die Heimatstadt seines Vaters, Neunkirch, zurückgekehrt waren, besuchte er dort die örtlichen Schulen und das Gymnasium in Schaffhausen, wo er sein Abitur ablegte. Obwohl temperamentvoll, war dieser junge Mann recht besonnen und ging mit einem offenen Geist für alles Wichtige ins Leben. Besonders interessierte er sich für Naturwissenschaften und Technik. Bevor er sein Maschinenbaustudium aufnahm, absolvierte er ein sechsmonatiges Praktikum bei den Lokomotiven der Baden-Bahn zwischen Basel und Konstanz und schloss anschließend sein Studium an der Technischen Universität Karlsruhe mit Auszeichnung ab. Während seines Studiums beschränkte er sich nicht auf sein Fachgebiet, den Maschinenbau, sondern erwarb auch fundierte Kenntnisse in Geologie, Chemie und Bauingenieurwesen. Sein Abitur soll eine ungewöhnlich große Anzahl an Prüfungsfächern umfasst haben.
Berufseinstieg und Familienunternehmen
Auf Wunsch seines etwas eigensinnigen Vaters trat er 1903 in dessen Firma „Adolf Scherrer Tiefbauunternehmung für Mineralquellenfassungen“ in Bad Ems ein. Sein Vater hatte sich bereits zuvor eher empirisch mit der Sammlung von Mineralquellen befasst. In der Schweiz wurden Quellen in den Kurorten St. Moritz, Vals in Lugnez, Schuls-Tarasp, Val Sinestra, Passugg und anderen gesammelt. 1903 beauftragte der preußische Staat die Firma Scherrer mit einer neuen Sammlung wertvoller Quellen in Bad Ems. Diese umfangreiche, stetig wachsende und mehrere Jahre andauernde Arbeit wurde größtenteils von dem jungen Scherrer als Assistent und Vertreter seines Vaters ausgeführt und war so erfolgreich, dass der Name Scherrer in ganz Deutschland bekannt wurde.
Privatleben und Verluste
In Bad Ems fand Arnold Scherrer in Fräulein Maria Deller vom Hotel Stadt Wiesbaden seine treue Lebensgefährtin und beste Kollegin. Mit ihr verbrachte er so manche nicht immer angenehme Zeit auf zahlreichen Baustellen, es sei denn, der strenge Vater ordnete die Trennung der beiden Eheleute an. Zum großen Leidwesen beider wurde ihnen ihr einziger Sohn Helmut im Alter von fast sieben Jahren entrissen. Die Sehnsucht nach diesem Kind begleitete sie ihr ganzes Leben.
Karriereentwicklung und internationale Anerkennung

Arnold Scherrer im Hauptförderschacht der Bílinská kyselka während Sanierungsarbeiten.
Es folgten Verträge zur Sammlung von Mineralquellen in Bad Schwalbach, Fachingen, Nieder-Selters und Homburg vor der Höhe in Hessen-Nassau, Gießhübl-Sauerbrunn, Karlsbad und Bílina in Böhmen, Bad Salzbrunn, Landeck und Bad Warmbrunn in Schlesien sowie Ditzenbach und Göppingen in Württemberg, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Die oft sehr weitläufigen Baustellen standen zumeist unter der direkten Leitung von Arnold Scherrer, der von einem Team fähiger Arbeiter, darunter mehrere Schweizer Vorarbeiter, unterstützt wurde. Auch der Verfasser dieses Nachrufs wirkte als junger Ingenieur an den Arbeiten in Karlsbad, Gießhübl-Sauerbrunn und Bad Salzbrunn mit, teils selbstständig, teils unter der verständnisvollen Anleitung Arnold Scherrers. Auf manchen Baustellen arbeiteten mehrere Hundert, mitunter sogar Tausend Arbeiter. Neben einheimischen Arbeitern, die hauptsächlich nur für Hilfsarbeiten eingesetzt wurden, kamen Italiener, vorwiegend aus mehreren Dörfern in der Provinz Bergamo, Ungarn mit ihren Ehefrauen für Erdarbeiten und polnische Gruppen für bestimmte Unteraufträge für Felsarbeiten zum Einsatz.
Wissenschaftlicher Ansatz zur Quellensammlung
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Die Gewinnung der Mineralquellen erfolgte nach wissenschaftlichen Prinzipien. Zunächst wurde die Gesteinsoberfläche im Quellgebiet großflächig freigelegt, was oft große Ausgrabungstiefen erforderte. Beim Ausgraben im Gesteinsbereich der Quelle durfte unter keinen Umständen Gestein aufgerissen werden, da die Gefahr bestand, dass dadurch neue Quellwege entstehen und die Quellen versiegen könnten. Die in den Gesteinsspalten austretenden Wasseradern wurden überwacht. Die Trennung des Mineralwassers vom Grundwasser gestaltete sich meist schwierig. Das aus dem Gestein austretende Mineralwasser wurde in Sammelbehältern aus beständigem, wasserabweisendem Material aufgefangen. Die umgebende Gesteinsoberfläche wurde anschließend sorgfältig abgedichtet, um das Mineralwasser in den auf den Sammelbehältern angebrachten Rohren zu halten. Durch diese schrittweise und mit größter Sorgfalt durchgeführte Rückhaltung erhöhte sich der Gehalt an gelösten Mineralien im Wasser, also die Alkalität, während der Quellfluss selbst langsam abnahm. Das Bestreben, optimale Wassermengen und Alkalinität zu erreichen, erforderte viel Geduld, umfassendes Fachwissen, langjährige Erfahrung und zahlreiche Untersuchungen. Dabei kam ihm sein fundiertes geologisches Wissen, dessen Grundlagen Professor Meister bereits am Schaffhausener Gymnasium gelegt hatte, sehr zugute. Auch die reiche mineralogische Sammlung erwies sich als äußerst hilfreich. Durch die Wiederanbindung versiegter oder schwindender Quellen konnte in den meisten Fällen ein größerer Wasserfluss mit höherem Mineralgehalt erzielt werden, was den Quellbesitzern – im ehemaligen Deutschland und Österreich zumeist Staaten oder Fürsten – höhere Einnahmen versprach.
Staatsbürgerschaft und Auszeichnungen

Abfüll- und Kontrollstände aus der Werkstatt von A. Scherrer aus Bad Ems. Einer davon ist im Inhalatoriumsgebäude zu sehen.
Auf persönliches Geheiß des deutschen Kaisers mussten er und sein Vater angesichts der umfangreichen Aufträge des preußischen Staates die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Er tat dies unter Vorbehalten und behielt dabei seine Schweizer Staatsbürgerschaft. Später, nach der Gründung seines eigenen Unternehmens, gab er die deutsche Staatsbürgerschaft erneut auf. Wie hoch seine Leistungen in Deutschland geschätzt wurden, zeigte sich auch darin, dass ihm 1911 ein Ehrendiplom der Hygieneausstellung in Dresden und später der Ehrenring des Deutschen Museums in München verliehen wurden.
Erster Weltkrieg und die Gründung seines eigenen Unternehmens
Während des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zur deutschen Luftwaffe, wurde aber nach nur etwa einem halben Jahr auf Befehl von der Front zurückbeordert, um den staatlichen Betrieb der Quellen nahe der Bergwerke aufrechtzuerhalten. Die Auswirkungen des Bergbaus auf die benachbarten Mineralquellen hatten ihn bereits zuvor wiederholt beschäftigt. 1917, nachdem sein Vater nach Schaffhausen gezogen war, gründete er in Bad Ems sein eigenes Unternehmen, in dem seine Frau seine wichtigste Mitarbeiterin war und ab 1920 auch sein deutlich jüngerer Bruder Waldemar dort arbeitete. Nach Kriegsende wurde ihm die neu entstandene Sammlung zahlreicher Mineralquellen in Deutschland anvertraut.
Internationale Projekte und wissenschaftliche Aktivitäten
Sein guter Ruf führte ihn auch ins Ausland, wo er in Larvik (Norwegen), Preblau-Sauerbrunn (Kärnten), Talheim (Steiermark), Morsbronn und Sulzmatt (Elsass) sowie Fetan (Schweiz) arbeitete. Parallel dazu führte er Studien und Gutachten zu Quellen in Belgien, Polen, Lettland, Russland und Spanien durch und kooperierte intensiv in Fragen des Quellenrechts, der Wasserrechte und ähnlicher Themen in Europa und darüber hinaus. Zwei besonders wichtige Auslandsaufträge umfassten die Arbeit an den Quellen in Afyon-Karahizar (Türkei) und den damit verbundenen Zugang zu Frischwasser in der anatolischen Wüste sowie die neue Sammlung von Thermalquellen in Tiberias (Palästina). Zweimal wurde ihm von der Türkei der Ehrendoktortitel und einmal eine Professur angeboten, die er jedoch in seiner gewohnten Bescheidenheit ablehnte. Seine größte Belohnung sei die Gesundheit seiner „sprudelnden Kinder“, wie er die von ihm gesammelten Mineralquellen gern nannte.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Rückkehr in die Heimat
Nachdem er dem aufkommenden Nationalsozialismus, dessen Vorschriften für den Betrieb der benachbarten Blei- und Silberminen die Emser Quellen langsam zerstörten, keinerlei Zugeständnisse gemacht hatte, verließ er nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit großem Mut und auf Kosten seines Unternehmens in Deutschland mit seiner Frau sein schönes Gut auf Hasenberg bei Ems und kehrte am 7. September 1939 in seine alte Heimat Schaffhausen zurück. Solange es ihm seine bereits angeschlagene Gesundheit erlaubte, führte er seine Arbeit von Schaffhausen aus mit tatkräftiger Unterstützung seiner fähigen Frau fort. Zu dieser Zeit sammelte er Quellen in Bad Weißenburg im Simmental und erstellte Gutachten für die Schinznacher Quellen und die Surpuntquelle in St. Moritz. Gelegentlich erfreute er die Schaffhausener mit Vorträgen über seine Arbeit in der Türkei und in Palästina und konnte mit großer Lebendigkeit in kurzer Zeit Unglaubliches erzählen.
Persönlichkeit und Vermächtnis
Arnold Scherrer vereinte vielfältiges Wissen und mitunter scheinbar heterogene Eigenschaften und Fähigkeiten zu einer einzigartigen und wohl einzigartigen Synthese. Er war Maschinenbauingenieur, Bauingenieur, Geologe, Chemiker und in all diesen Bereichen zugleich Praktiker und Forscher. In seiner Arbeitsweise konnte er je nach Umständen und Bedarf ein energischer, fantasievoller Draufgänger, aber auch ein gründlicher, systematischer und nüchterner Handwerker sein. Er war nicht nur ein fachlich hochqualifizierter Experte, sondern nahm alles, was er sah und erlebte, in sich auf. Er interessierte sich für alle Lebensbereiche: Kunst und Politik, Bücher und Gartenarbeit, Gesteine und Briefmarken und vor allem für die Menschen. Er besaß eine außergewöhnliche Sprachbegabung. Neben den üblichen europäischen Sprachen sprach er auch mehrere orientalische Sprachen. Zudem hatte er ein ausgezeichnetes Gedächtnis, sodass es stets ein großes Vergnügen war, seinen Geschichten zuzuhören. Trotz all seiner Erfolge und der Anerkennung in seinem Lebenswerk blieb er ein bescheidener, einfacher Mensch. Trotz seines umfassenden Wissens war er ein aufrichtiger Schweizer, der seiner Heimat stets treu ergeben war. Trotz seines schweren Leidens verpasste er im Herbst 1948 nicht die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Gründung von Scaphusia, der er während seiner Schulzeit angehört und der er stets treu geblieben war. Seine letzten Jahre waren von schwerem Leid geprägt. Kleinere, immer wiederkehrende Schlaganfälle schwächten allmählich seine einstige Vitalität. Alle Fürsorge und Liebe konnten den Niedergang seiner Lebenskraft und geistigen Energie nicht mehr aufhalten. Umgeben von seiner treuen Lebensgefährtin starb er nach einem erfüllten Leben voller Arbeit und Erfolge.
Weitere Nachrufe und Veröffentlichungen
Weitere Nachrufe wurden veröffentlicht in:
- Schaffhauser Nachrichten, Nr. 118, datiert 21. Mai 1949, signiert CM
- Schweizer Familie, Nr. 31, 4. Juni 1949. Bericht mit Bild.
- Mineralwasserzeitung Deutschland, Nr. 9, datiert 1. Juli 1949, unterzeichnet Georg Nave.
- Heilbad und Kurort, Zeitschrift für das gesamte Bäderwesen, Nr. 4, Juli 1949, unterzeichnet von Georg Nave.
- Rhein-Zeitung (Deutsch), Nr. 62, datiert 25. Mai 1949, unterzeichnet von Hch. Wießler.
Veröffentlichungsliste:
- 1904: Das spezifische Gewicht von Mineralwasser und seine Wirkung auf das Entstehen der Mineralquellen mit besonderer Rücksichtung der Erfahrungen, welche bei den Quellenfassungen in Ems gemacht wurden.
- 1905: Über moderne Quellfassungen. Balneologische Zeitung, XVI. Jahrgang, Nr. 26, vom 20. September 1905.
- 1907: Zum preußischen Quellenschutzgesetz-Entwurf. Baineologe. Zeitung, XVIII. Jahrbuch, 1907.
- 1912: Gas und Wasser in Mineralquellen. Zeitschrift für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung, Nr. 4, vom 27. Januar 1912.
- 1924: Vortrag anläßlich der Einweihung der Wilhelmsquelle Bad Mergentheim vom 8. August 1924.
- 1928: Über Mineralquellen und deren Fassungen. Zeitschrift für wissenschaftliche Bäderkunde, 1928, Heft 4.
- 1930: Über Quellforschungen. Verhandlungen des 57. Schlesischen Bädertages 1930.
- 1932: Wandlungen der Quellfassungstechnik im Laufe der Jahrhunderte. Zeitschrift für Kurortwissenschaft, 2. Jahrgang, 1932, Heft 4.
- 1932: Aus der Fassungsgeschichte der Schwalbacher Mineralquellen. Internationale Mineralquellen-Zeitung, Nr. 6.
- 1933: Die Geologie und die Fassung des Preblauer Säuerlings. In DIEM, K.: Der Preblauer Sauerbrunn.
- 1933: Die natürlichen Grundlagen für die Fassung einiger westdeutscher Mineralquellen. Zeitschrift der Deutschen Geologen. Gesellschaft, Band 85, Heft 7, Jahrgang 1933.
- 1933: Die Quellen von Afyon-Karahizar in der Türkei. Internat Mineralquellen-Zeitung, Nr. 8, 1933.
- 1934: Die Renovierung der Therme Bad Warmbrunn in Schlesien. Internat Mineralquellen-Zeitung, Nr. 12/1934 und Nr. 1/1935.
- 1935: Der Preblauer Sauerbrunn. Internat Mineralquellen-Zeitung, Nr. 2/1935.
- 1936: Die Thermen von Tiberias. Internat Mineralquellen-Zeitung, Nr. 1/2, 1936.
Für die drei anderen Werke: Heilquellen-Technik — Beiträge zu den Grundlagen moderner Quellenversionen — Die Warmbrunner Quellen und ihre Sanierung — werden weder das Erscheinungsjahr noch der Erscheinungsort angegeben.
