Dr. med. und Dr. phil. Franz Ambros Reuss (1761–1830)
Arzt, königlicher Ratgeber und Begründer des wissenschaftlichen Gebiets der Balneologie
Franz Ambros Reuss (auf Tschechisch auch František Ambrož Reuss) Er war weit mehr als nur ein gewöhnlicher Landarzt. Er zählte zu den bedeutendsten Gelehrten der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert und gilt als Begründer der Balneologie – der Wissenschaft von den Heilwässern und ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper. Er war einer der Ersten weltweit, der die geologische und mineralogische Untersuchung von Quellen präzise mit der medizinischen Praxis verknüpfte.
Jugend und die Reise nach Bílina
Er wurde am 3. Oktober 1761 in Prag geboren. Sein außergewöhnliches Talent bestätigte er an der Universität Prag, wo er zwei Doktortitel erwarb – zunächst in Philosophie und dann (im Oktober 1783) in Medizin. Das Jahr 1784 war entscheidend für seine wissenschaftliche Laufbahn, da er einen Studienaufenthalt in Freiberg in Sachsen absolvierte und Vorlesungen des berühmten Geologen A. G. Werner besuchte. Ein Jahr später verband er sein Leben endgültig mit Bílina, als er in die Dienste von Fürst Lobkowicz als Guts- und Stadtarzt trat.
Die Entstehung der Balneologie und die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Größen
Reuss widmete einen bedeutenden Teil seiner Arbeit der Erforschung der lokalen Heilwässer, insbesondere der bitteren Magnesiumsulfatquellen. Er versuchte, deren Zusammensetzung genau zu analysieren, und arbeitete bei der Untersuchung der berühmten „Zaječická bořká“ mit dem Begründer der analytischen Chemie, Jacob Berzelius, zusammen. Seine lebenslangen Forschungen zu den Gewässern von Bílin fasste er in dem wegweisenden Werk „Die Mineralquellen zu Bilin“ (1808) zusammen, das er dem regierenden Fürsten Franz Joseph von Lobkowicz widmete. Damit erhob er das lokale Mineralwasser zu einem gesamteuropäischen Phänomen.

Enthüllungszeremonie des FA-Reuss-Denkmals.
Die Erinnerung an die Region Most und ein einzigartiges Wörterbuch bewahren
Als Pionier der beschreibenden Geologie konzentrierte er sich auf detaillierte systematische Forschungen in Böhmen, insbesondere in der Region Podkrešnohorská und der Region Most. Ihm verdanken wir heute die erhaltenen Fossiliensammlungen und wertvollen Beschreibungen der damaligen Bergbautechniken aus Gebieten, die später vollständig ausgebeutet wurden. Er erklärte geologische Prozesse aus der Perspektive des sogenannten Neptunismus – er unterstützte somit die damals verbreitete Theorie, dass Gesteine durch Sedimentation und Kristallisation am Grund prähistorischer Meere entstanden sind.
Sein Umfang war bewundernswert. So stellte er beispielsweise 1805 ein für seine Zeit einzigartiges, achtbändiges mineralogisches Wörterbuch in neun Sprachen zusammen (Latein, Italienisch, Schwedisch, Dänisch, Englisch, Russisch, Ungarisch und Deutsch – Tschechisch fehlte damals nur, weil es noch keine stabile Fachterminologie gab).
Das Zentrum des Kur- und Gesellschaftslebens
Bílina und Teplice zogen damals die Elite aus ganz Europa an, darunter auch den russischen Zaren. Reuss fungierte als angesehener Experte und Gesprächspartner in Diskussionen über den Ursprung geologischer Phänomene für Persönlichkeiten wie den Dichter Johann Wolfgang von Goethe oder den berühmten Naturforscher Alexander von Humboldt, den er persönlich auf Besteigungen des nahegelegenen glockenförmigen Hügels Bořeň begleitete.
Karriereaufstieg, Ehrungen und Vermächtnis Reuss' Expertise wurde von Gelehrtengesellschaften von Prag bis Berlin, Halle, Jena und Göttingen vorausgegangen.
- 1805: Er übernahm die Leitung der Industrie- und Handelsgesellschaft Lobkowicz (Industrialamt).
- 1806: Für seine enormen wissenschaftlichen Leistungen verlieh ihm Kaiser Franz I. den hoch angesehenen Titel eines Kaiserlichen Hohen Rates.
- 1808: Er wurde Hauptdirektor der Firma „Industriale“ und des Bergwerksamts Lobkowicz.
- 1815: Ihm wurde das Silberne Zivilkreuz der Ehre verliehen.
Franz Ambros Reuss starb am 9. September 1830. Sein Pionierwerk wurde von seinem Sohn August Emanuel Reuss fortgeführt, der als Begründer der Mikropaläontologie gilt. Die Bedeutung beider Wissenschaftler für die Weltwissenschaft und die Stadt selbst wird noch heute durch das gemeinsame Denkmal für Vater und Sohn Reuss gewürdigt, das 1898 im Kurort Bílina feierlich enthüllt wurde.
